Zukunftsmodell Korporation 25./26. September 2009

Studentische Verbindungen bestimmen seit nunmehr über 200 Jahren das akademische Treiben in Mitteleuropa mit. Im deutschsprachigen und baltischen Raum hat sich in dieser Zeit ein bestimmter Typus der studentischen Vereinigung entwickelt, welcher sich etwa von den US-Amerikanischen Fraternities oder den studentischen Geheimgesellschaften Großbritanniens unterscheiden. Alle Verbindungen deutscher Prägung haben dabei im Wesentlichen das Conventsprinzip und das Lebensbundprinzip gemein. Darüber hinaus pflegen die meisten Verbindungen studentisches Brauchtum u.a. in Form des Farbentragens oder Farbenführens und verfolgen ihren Mitgliedern gegenüber einen Bildungs- und Erziehungsauftrag. Über 200 Jahre hinweg blieben diese Prinzipien und Aufgaben der Korporationen im Wesentlichen die gleichen und überstanden sämtliche Stürme der Zeit ohne größere Veränderungen.

Mit Beginn des neuen Jahrtausends stehen die studentischen Korporationen nun aber vor der Herausforderung einer grundlegenden Strukturänderung der europäischen Hochschullandschaft. Der so genannte Bologna-Prozess verdrängt nach und nach die bisher gängigen Studieninhalte und Abschlüsse zugunsten des dreigliedrigen Gradsystems Bachelor – Master – Doktor. Einher geht diese historische Umstellung mit einer Verschulung und Straffung des Studiums. Der bisherige vier bis sechsjährige Regelabschluss Diplom bzw. Magister weicht dem drei- bis vierjährigen Bachelor. Für die Korporationen wie auch für andere studentische Initiativen bedeutet dies ein absehbares schwinden der aktiven Mitgliederzahlen durch weniger Zeit interessierter Studenten neben dem Studium.
Die studentischen Verbindungen müssen sich diesen Herausforderungen stellen, wenn sie nicht ganz von der akademischen Bühne verschwinden wollen.

Die Tagung „Zukunftsmodell Korporation“ wird sich der Frage der Reformmöglichkeit und des Strukturwandels zielorientiert stellen und in zwei Tagessequenzen diskutieren. Der erste Themenbereich „Herausforderungen des Bologna-Prozesses“ stellt sich die Fragen: Welche Aufgaben kommen auf Korporationen im Zuge der Umstellung auf Bachelor/Master zu? Wie wurde der Bologna-Prozess bisher in den Dachverbänden behandelt? Was muss sich im Zuge des Prozesses strukturell in den Korporationen ändern? Die zweite Tagungssequenz widmet sich unter dem Titel „Stiftungsmodell Korporation“ den Fragen: Wie lässt sich die bisherige Umlagenfinanzierte Struktur der Korporationen sinnvoll etwa in Form einer Stiftung umgestalten? Was für rechtliche und fiskalische Rahmenbedingungen sind zu beachten und welcher finanziellen Reservoirs kann sich dabei bedient werden?

Die Tagung steht jedem Interessierten kostenfrei offen. Ggf. wird eine Verpflegungspauschale erhoben.
Anmeldungen, Nachfragen und Anregungen bitte per Mail an: vorstand-gfsk@web.de