Vorwort Hermann Kokenge

Sehr geehrte Damen und Herren,

Studentenverbindungen – auch Korporationen genannt – haben über einen langen Zeitraum das Erscheinungsbild der Universitäten mit bestimmt. Der Dresdner Fürstenzug, eine auf Meißner Porzellankacheln dargestellte Ge-schichte des Fürstenhauses der Wettiner, zeigt nicht nur die zwischen 1123 und 1904 in Sachsen herrschenden Markgrafen, Herzöge, Kurfürsten und Könige, sondern gegen Ende des Zuges auch Studenten der Universität Leipzig und der damaligen TH Dresden. Sie sind in „studentischer Tracht“, d.h. als Verbindungsstudenten darge-stellt. Auch wenn heute Korporationen im öffentlichen Leben einer Universität weniger in Erscheinung treten, so ist dennoch die Geschichte der Verbindungen ein nicht unwesentlicher  Aspekt der Kulturgeschichte und besonders der Geschichte der Hochschulen in Mitteleuropa.  Es ist dies allerdings ein bisher wenig bearbeitetes Untersu-chungsfeld.

Ein Kreis Dresdner Korporierter, der sich erstmals im Jahr 2007 zusammengefunden hatte, stellte deshalb eine für jeden Interessierten offenstehende Vorlesungsreihe unter dem Titel „Füxe, Kneipen und Couleur – Studentenver-bindungen in Vergangenheit und Gegenwart“ zusammen.  In einem Vortragskanon des „Studium Generale“ der Technischen Universität Dresden konnten zu diesem Zweck wissenschaftlich ausgewiesene Experten der Thema-tik als Referenten gewonnen und die Reihe als Lehrveranstaltung an der Philosophischen Fakultät angeboten werden. Zunächst wurden dabei in einem einführenden Teil Geschichte, Brauchtum und die einzelnen Verbindungsarten näher beleuchtet sowie anschließend in einem spezielleren Teil unter anderem die gesellschaftliche Bedeutung, das akademische Fechten oder die Eigenart studentischer Verbindungshäuser eingehend behandelt und damit das studentische Verbindungswesen  in einer universitären Vorlesung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Sehr gut erinnere ich mich an eine im Zusammenhang mit dieser Vorlesungsreihe stehende Diskussionsrunde, an der ich als damaliger Rektor teilnehmen konnte. Es war, wie könnte es bei dieser Thematik auch anders sein, durchaus ein sehr kontroverser, aber am Ende für alle auch ein erkenntnisreicher und gewinnbringender Mei-nungsaustausch.

Prof. Dr. Werner J. Patzelt, als Schirmherrn der Vorlesungsreihe, sowie den Organisatoren gilt deshalb mein herz-licher Dank. Ihnen kommt das besondere Verdienst zu, dieses in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre wenig beachtete Thema aufgegriffen und einem breiten Zuhörerkreis nahe gebracht zu haben!

In dem nun vorliegenden Sammelband „Füxe, Kneipen und Couleur“ sind die einzelnen Vorträge zusammenge-fasst. Damit wird einem breiten Publikum die Möglichkeit geboten, sich einen sachlichen und fundierten Einblick in das studentische Korporationswesen zu verschaffen. Ebenso kann ich mir aber auch vorstellen, dass die Veröf-fentlichung Anstöße für weitere wissenschaftliche Betrachtungen und Forschungen auf diesem Gebiet bieten kann.

Ihnen allen wünsche ich eine ebenso vergnügliche wie ertragreiche Lektüre dieses Buches.

Prof. Hermann Kokenge

Rektor der Technischen Universität Dresden 2003-2010