Podium "Die Wende aus meiner Sicht"

 

Ein spannender Diskussionsabend

Am 10. November 2015 fand der Diskussionsabend "Die Wende aus meiner Sicht" statt. Ziel dieses Abends war es zu ergründen, was unsere Gäste persönlich empfanden, als die Mauer fiel, und wie sie die Entwicklung der letzten 25 Jahre aus eigener Perspektive reflektieren. Unsere Gäste - Prof. Dr. Werner J. Patzelt, Dr. Herbert Wagner, Dr. Sigmund Jähn und Prof. Dr. Wendelin Szalai - beeindruckten das Publikum vor allem mit ihren ehrlichen Antworten, die Einblick auf teilweise tiefe emotionale Empfindungen gestatteten. So berichtete etwa Siegmund Jähn, seinerzeit General der NVA, von den Befürchtungen der Offiziere der Volksarmee, dass die Lage eskalieren und die Armee in der Zeit der Montagsdemonstrationen den Schießbefehl erteilt bekommen könnte, was jedoch zum Glück – so Jähn – nicht erfolgt sei.

Dr. Wagner erzählte, dass er eigentlich gar keine Ambitionen für ein politisches Amt hatte und wie er trotzdem zum ersten Oberbürgermeister Dresdens nach der Wende wurde und dies in der Nachschau auch nicht bereut hat. Erheiternd auch der Bericht von Professor Patzelt, der von der "Reisefreiheit" während einer Autofahrt erfuhr, dass er und seine Kollegen dies für einen Versprecher von Günther Schabowski hielten und dass er die beste Flasche Wein köpfte, als er die feiernden Menschen auf der Mauer im Fernsehen sah.

Besonders ergreifend nahm sich auch die Geschichte von Professor Szalai aus. 1948 aus seiner Heimat Ungarn vertrieben und 1992 aufgrund seiner politischen Vergangenheit in der DDR aus seinem Amt als Professor entlassen, hat er wohl die bewegendste Entwicklung durchgemacht. Besonders seine Erfahrungen als Lehrstuhlvertreter in Bonn und Hamburg haben ihm laut eigener Aussage sehr geholfen, sein politisches Weltbild zu überdenken und vom sozialistischen Saulus zum freiheitlich-demokratischen Paulus zu werden. Heute engagiert er sich ehrenamtlich z. B. bei den Ost-West-Gesprächen auf Gut Gödelitz. Das Publikum dankte den Rednern durch reichlich Beifall.

Hervorragend geleitet wurde dieser Diskussionsabend durch den Landtagsabgeordneten, Herrn Professor Günther Schneider, der auch so manch kritische Frage des zahlreichen Publikums gern an die Referenten weitergab.

Als Kooperationspartner bedankt sich die GFSK bei der Gedenkstätte Bautzner Straße, die nicht nur ihren Festsaal - einst Fest- und Veranstaltungssaal der Stasi – als historisch würdigen Veranstaltungsort zur Verfügung stellte, sondern auch über offizielle Öffnungszeit hinaus den Besuchern Zugang zur Gedenkstätte gewährte.

 

 

Ankündigungstext:

25 Jahre Wiedervereinigung sind ein Anlass, Resümee über Ziele, Wünsche und Erwartungen ebenso wie über Entwicklungen und Erfolge, aber auch Enttäuschungen zu ziehen. Hierzu wurde und wird bereits eine Vielzahl von Veranstaltungen angeboten, die dieses historische Ereignis aus politischer, wirtschaftlicher, sozialer sowie kultureller Sicht beleuchten.

Das Podium „Die Wende aus meiner Sicht“ beschreitet einen anderen Weg und versucht, zu ergründen, wie haben dieses historisch einmalige Ereignis die Menschen empfunden, welche Erwartungen haben sie daran geknüpft und haben sich diese - aus der Sicht der Erfahrungen der vergangenen 25 Jahre - erfüllt? Dazu werden Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zu Wort kommen und ihre persönlichen Sichtweisen unvoreingenommen darlegen. Aber auch die Gäste sind herzlich eingeladen, ihre Sicht der Dinge auf den langen Prozess der Wiedervereinigung darzulegen und mit den Teilnehmern desPodiums zu diskutieren.

Unsere Gäste:

Dr. Sigmund Jähn

Jahrgang 1937; Dr. Jähn absolvierte ab 1956 in Kamenz eine Ausbildung zum Offizier der Luftstreitkräfte der DDR und zum Piloten. Seine  Militärstudien setzte er ab 1965 in Moskau fort (Diplom 1970). 1976 begann die Ausbildung zum Kosmonauten in der Sowjetunion und der DDR. 1978 Weltraumflug als erster Deutscher im Weltall. Anschließend Leitungsfunktionen im Zentrum für Kosmische Ausbildung der Luftstreitkräfte der DDR. 1983 Promotion zum Dr. rer.nat am Zentralinstitut für Physik der Erde in Potsdam. Seit der Entlassung aus der NVA 1990 übt er eine freie Beratertätigkeit für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt beim russischen Kosmonautenausbildungszentrum und seit 1993 für die European Space Agency aus.

 

Dr. Herbert Wagner

Jahrgang 1948; Dr. Wagner schloss 1973 das Studium des Elektroingenieurwesens an der TU Dresden erfolgreich ab. 1985 erfolgte die Promotion zum Dr.-Ing. Gegen Ende der 1980er Jahre engagierte er sich in der Bürgerrechtsbewegung der DDR und war Mitglied der „Gruppe der 20“. 1990 wurde Dr. Wagner zum ersten frei gewählten Oberbürgermeister der Stadt Dresden gewählt und 1994 im Amt bestätigt. In seiner Zeit als Oberbürgermeister war er Präsident des Sächsischen Städte- und Gemeindetages und Stellvertreter des Deutschen Städtetages. Heute engagiert sich Dr. Wagner ehrenamtlich als Vorsitzender des Trägervereins der Gedenkstätte Bautzner Straße sowie im Stiftungsrat der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft.

 

Prof. Dr. Werner J. Patzelt

Jahrgang 1953; Prof. Patzelt absolvierte ab 1974 in München, Straßburg und Ann Arbor (Michigan) Politikwissenschaften, Soziologie und Geschichte. 1984 schloss Prof. Patzelt seine Promotion summa cum laude zum Dr. phil. an der Universität Passau; 1990 Habilitation ebenda mit einer Arbeit über Abgeordnete und Repräsentation. Nach einer Gastprofessur in Salzburg, wurde Prof. Patzelt 1992 zum Gründungsprofessor des Instituts für Politikwissenschaften berufen und hat seither den Lehrstuhl für politische Systeme und Systemvergleich inne. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen vergleichende historische Analysen politischer Systeme (insb. BRD vs. DDR) sowie die politische Kommunikation.

 

Prof. Dr. Wendelin Szalai

Geboren 1939 in Ungarn und 1948 in die damalige Sowjetische Besatzungs-zone vertrieben; Prof. Dr. Szalai absolvierte ab 1957 ein Studium der Geschichte und Kunsterziehung in Dresden und Potsdam. Ab 1967 war Prof. Szalai an der PH Dresden tätig. Parallel erfolgten Promotion (1973) und Habilitation (1978). 1983 folgte die Berufung zum Professor für Geschichtsmethodik an der PH Dresden. 1992 gestand er einen gescheiterten Anwerbeversuch durch die Stasi ein und wurde daraufhin von seiner Professur abberufen. Prof. Szalai engagiert sich seither vor allem für die Wiedervereinigung zwischen Ost und West u. a. durch
- die Mitarbeit im "Ost-West-Club" in Dresden
- an der Bürgerstiftung Dresden durch Beteiligung und Organisation von drei Ost-West- Erzählwerkstätten
- bei der "Aktion Gemeinsinn" in Bonn von 1996 bis 2000- seit 15 Jahren im "Ost-West-Forum Gut Gödelitz".

 

Das Podium wird geleitet durch Prof. Dr. Günther Schneider, MdL (CDU), Mitglied des Verfassungs-, Rechts- und Europaausschußes des sächsischen Landtages und Honorar-Professor an der Juristischen Fakultät der TU Dresden.

 

Zeit und Ort:

Dienstag, 10. November ab 19:00 Uhr
Veranstaltungssaal der Gedenkstätte Bautzner Straße
Bautzner Straße 112a, 01099 Dresden
Eintritt: frei

Die Gedenkstätte Bautzner Straße wird über die üblichen Öffnungszeiten hinaus am Veranstaltungstag geöffnet bleiben und kann von 18:00 bis 19:00 Uhr von den Podiumsteilnehmern kostenlos besichtigt werden.

 

Veranstalter:

Gesellschaft zur Förderung Studentischer Kultur e.V. (GFSK)
www.gfsk-dresden.de
E-Mail: vorstand-gfsk@web.de

In Kooperation mit:
Gedenkstätte Bautzner Straße
Bautzner Straße 112a, 01099 Dresden
www.bautzner-strasse-dresden.de

 

Veranstaltungsflyer

Pressemitteilung